Readfy – wozu fürs Lesen bezahlen?

In den letzten Jahren hat das Internet vieles verändert oder gar revolutioniert. Mit Steve Jobs und seinem iPod war es zum ersten Mal einfach und legal möglich, an Musik zu gelangen. Heute hat sich dieses Business weiter entwickelt, man kauft eigentlich keine einzelnen Songs mehr, sondern man abonniert einen Service. So, wie z.B. Spotify, bei dem man für einen fixen monatlichen Betrag quasi eine Flatrate bezahlt, mit der man beliebige Musik, sofern der Anbieter einen Vertrag mit Spotify hat, auf beliebigen Geräten anhören kann. Es gibt sogar eine kostenlose Variante, die am Anfang ziemlich komplett ist, aber dann immer weniger bietet.
Im Bereich der ebooks war das bisher nicht gleichermaßen der Fall. Entweder es werden einzelne Dateien in Shops gekauft, oder aber man kann für das Ausleihen beliebiger Bücher bezahlen, auch hier eine Art Flatrate. Skoobe bietet das zum Beispiel an, allerdings ohne eine kostenlose Variante bereit zu stellen.
Wie das gehen soll, fragt man sich auf den ersten Blick. Readfy.com glaubt, die Antwort darauf gefunden zu haben. Sie wollen eine Art Freemium-Modell für das Lesen von Büchern etablieren. In seiner kostenlosen Version soll es möglich sein, jedes Buch unbegrenzt ausleihen und lesen zu können. Finanziert wird das Ganze durch Werbung.
Es wird noch zwei weitere Stufen geben, zum einen das Premium light für 4,99, zum anderen Premium für 9,99 Euro. Wie genau die aussehen werden, wird sich noch zeigen. Momentan startet der Dienst nämlich in seine Betaphase, im Augenblick kann man keine neuen Accounts anlegen. Auch ich habe es leider nicht geschafft, mir einen der Testaccounts zu besorgen.
Spannend hört sich die Idee auf jeden Fall an. Lesen ohne zu bezahlen, indem man Werbung akzeptiert. Dabei soll die Werbung in Form von Videos, Bannern und Text direkt über das Buch gelegt werden. Gelesen wird dabei im integrierten Reader, Lesen ist nur in der Cloud möglich, die Romane werden also nicht auf das Gerät heruntergeladen.

Die Frage ist natürlich, wie umfangreich die Werbung sein wird. Wie sehr man von den eingeblendeten Anzeigen genervt wird, wie lange es den Lesefluss unterbricht. Bei manchen Apps, die man sich zum Spielen herunterlädt, kann man vor lauter Wartezeiten und Werbeeinblendungen kaum mit dem Spielen fortfahren. Das Modell von Readfy kann meines Erachtens nur funktionieren, wenn hier der „goldene Mittelweg“ gefunden wird. Denn Werbung ohne Ende werden kritische Leser kaum akzeptieren.

Spannend ist die Idee allemal.
Das zeigt auch die Tatsache, dass es für Readfy eine Crowdfunding-Kampagne gibt. Bei Companisto.de kann man einsehen, was bisher bezahlt wurde. Die Uhr steht bei knapp 250.000 Euro. Man kann sich fragen, wozu eine Crowdfunding-Campagne in dieser Phase nötig ist. Aber immerhin sagt der Wert etwas über das Interesse der künftigen Anteilseigner an Readfy aus.
Wenn es mir gelingt, ebenfalls einen Account bei Readfy zu bekommen, werde ich im Blog etwas zu meinen Erlebnissen berichten. Für den Moment sind 15.000 Bücher über Readfy verfügbar, eine App gibt es derzeit nur für Android. Iphone, Ipad und Ipod wurden aber nicht vergessen. Apps für diese sind derzeit in der Entwicklung und sollen bis Sommer 2014 zur Verfügung stehen. Für eReader wie den kindle, wird es das allerdings nicht geben, was auch nachvollziehbar ist. Werbung ist auf den eInk-Displays sicher nicht so einfach darstellbar und gerade am Anfang, sollte man sich nicht verzetteln.

Update vom 17.2.2014: Testzugang zu Readfy ist nun eingerichtet und aktiv. Mehr zu Handhabung und Feeling kommt.

Artikel bei Cashy:

http://www.stadt-bremerhaven.de/readfy-15-000-ebooks-kostenlos-freemium-modell-und-android-first/

http://www.stadt-bremerhaven.de/readfy-startet-betaphase-zum-zweiten-mal-15-000-buecher-im-freemium-modell-auf-android/