Tommy Jaud: Vollidiot

Darum geht’s:

Vollidiot

Simon Peters arbeitet beim T-Punkt, ist schon länger Single, nachdem ihn seine Freundin verlassen hat und notorisch pleite. Das hindert ihn aber nicht daran, auf durchaus großem Fusse zu leben.

Aus Versehen, hat er sich beim Fitnesscenter etwas vergriffen und ist in ein Schwulen-Fitnesscenter eingetreten. Und da kommt er jetzt zwei Jahre nicht mehr heraus aus dem Vertrag. Aber er kommt damit so weit klar.

Und am Meisten freut ihn, wenn er von seinem T-Punkt Shop aus auf der anderen Strassenseite ins Starbucks-Cafe hinüberschaut und da seiner Lieblings-Milchaufschäumerin beim Milchaufschäumen zu sieht.

Simon Peters hat nicht unbedingt ein glückliches Händchen, zum Beispiel wenn er zum IKEA geht, um sich den Single-Sessel Jennylund zu kaufen. Da sagt ihm der Verkäufer dann, dass er sich Regal 30C merken solle, da könne man den Sessel abholen. Er schreibt es nicht auf, und das nervt den Simon ungemein. Er kriegt jetzt nämlich die Regalnummer nicht mehr aus dem Kopf, egal was er macht.

Also geht er erst mal in Urlaub nach Mallorca, in diesen Single-Club, den ihm sein Kumpel Phil empfohlen hat. Aber so toll ist das nicht, es klappt nichts, bis zum letzten Tag, da will ausgerechnet die schärfste Animateurin mit ihm in die Kiste. Da er aber ehrenwerte Absichten hat, verschafft er sich bereits vorher Erleichterung, um nur ja nicht in die Verlegenheit zu kommen, die Kontrolle zu verlieren. Und nach dreimaliger Erleichterung geht es einfach nicht mehr, sehr zu seiner und der Animateurin Enttäuschung.

Auch seine Fehlleistungen bei der Arbeit, löst der Simon recht unkonventionell. Zum Beispiel, als er einer Achtjährigen ungeniert einen Handyvertrag verkauft. Von seiner Chefin aufgefordert, schnell dorthin zu fahren und den Vertrag wieder zurückzuholen, vergisst er natürlich prompt, das sofort zu tun. Nach der Party, angemessen betrunken, zu der er mit seinem Kollegen losgezogen ist, fällt es ihm aber wieder ein. Und da sie grade in der Nähe sind, bricht er einfach ein und holt sich den Vertrag eben wieder. Nicht ohne vorher anzurufen und „Telekom, wir machen das“ auf den Anrufbeantworter zu rülpsen. Und nicht ohne überall das Licht anzumachen und besoffen FBI zu spielen. Und dabei aufgezeichnet zu werden, wie er später erkennen muss.

Auch in Liebesdingen, rauscht er von einem Fettnäpfchen ins nächste. Zunächst klappt es nicht mit der Animateurin, danach baggert er die Freundin seines Kollegen und Kumpels Filk an, was der gar nicht witzig findet, als er ihm nach gemeinsamem Bordellbesuch davon erzählt. Und dann schafft er es, dank Vermittlung durch eine gute Freundin namens Paula, mit seiner Traum-Milchaufschäumerin endlich auszugehen, und der Abend endet im Fiasko. Die Göttin erweist sich als arrogante, überdrehte Schnalle, die ihn nur ausgenutzt hat, um auf das Fanta Vier Konzert in Köln zu kommen. Und nutzt die Gelegenheit, um mit ihren recht stark gebauten Freunden abzuhängen, was Simon, der außerdem mit seiner kroatischen Putzfrau Lala da ist, nicht so gefällt. Er überschüttet sie aus Rache mit Bier, was nur dazu führt, dass er von den beiden kräftig gebauten Kumpels der vormaligen Traumfrau ordentlich durch die Mangel gedreht wird.

Am Ende wird ihm der Prozess wegen dem Einbruch gemacht, er muss mit einer Geldstrafe rechnen. Außerdem verliert er seinen Job und verschanzt sich mehrere Tage in seiner Wohnung. An seinem dreißigsten Geburstag, tauchen seine besten Freunde Paula, Phil und Flik vor seiner Wohnung auf und weil er nicht aufmacht, lassen sie durch die Feuerwehr die Türe aufbrechen. Und das bringt ihn auf die Idee, eine Geburtstagsparty zu feiern. Wie heute üblich, lädt er dazu per SMS über sein Handy ein. Aus Versehen ans gesamte Telefonbuch, was dazu führt, dass nicht nur die Kumpels da sind, sondern auf verflossene Bekanntschaften, alte Schulkameraden, der Vermieter und seine Ex-Chefin, in die zu verlieben er sich umgehend droht. Und auch der „Zwerg“, der vor zwei Tagen noch versucht hat, ihm Strom und Gas abzudrehen, weil er seine Rechnungen nicht bezahlt hat.

Mein Eindruck:

Köstlich. Ich habe mich teilweise vor Lachen auf dem Sofa gekringelt, der Roman von Tommy Jaud ist ein wahres Vergnügen. Man merkt schon, dass der Mann Erfahrungen hat mit Comedy. Tommy Jaud ist bekannt aus der Wochenshow, der Anke-Show und Ladykracher, wo er zu den Gagschreibern gehört, und nun auch für seine witzigen Romane. Ein Endzwanziger kurz vor seinem dreißigsten Geburstag, grade von seiner Freundin verlassen und verzweifelt. Eine tolle Ausgangssituation, mit der Tommy Jaud, humorvoll, aber auch ein klein wenig einfühlsam, eine tolle Geschichte erzählt. Mit das Beste, was ich seit langem gelesen habe. Ich kenne den Film mit Oliver Pocher nicht, aber das Buch ist absolut lesenswert. Auf die Fortsetzung und die weiteren Jaud-Romane bin ich nun doch schon sehr gespannt.